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2. Juni 2008

Vancouver

Huch, der Flug ist ueberstanden und wir sind heil wieder am Boden angelangt! Der Sitzabstand bei Air Canada ist grosszuegig, so dass wir einen erstaunlich angenehmen Flug hatten. Aber eigentlich sind diese Platzverhaeltnisse nicht weiter erstaunlich, man wird im Flugzeug so grosszuegig mit Zuckerhaltigem versorgt, dass die Gefahr gross ist, nicht mehr aus dem Sitz herauszukommen…

Mein Velo hat den Flug leider nicht ganz so gut praestiert, eine Speiche hat’s herausgespickt und die Bremse war auch verstellt. Die 50$ Transportgebuehren waren also nicht sehr wirksam investiert, schon die Schachtel war trotz “Fragile”-Kleber voellig verbogen und verrissen. Aber wir sehen’s von der positiven Seite: der Mech war sehr hilfsbereit und schnell, zudem wurden wir gleich noch gewarnt, dass unsere Schloesser fuer Vancouver nirgends hinreichen und sind jetzt mit allerbesten Abus-Schloessern ausgestattet. Ausserdem haben wir die Schnellspanner bei Raedern und Sattel ausgewechselt, in der Hoffnung, dass wir unsere Velos komplett auf die Weiterreise nehmen koennen.

Vancouver Downtown

Vancouver ist eine geniale Velostadt, auf dem Tourismusbuero gibt’s gratis Velostadtplaene, und wir waren gestern ueber 50 Kilometern fast ausschliesslich auf Velowegen und -spuren unterwegs. Dies staendig vor einem Hintergrund aus glaesernen Wolkenkratzern, schneebedeckten Bergen, Straenden und Meer. Etwas waermer duerfte es allerdings noch sein: nach einem strahlend schoenen Samstag, war gestern bewoelkt und Baden war keine so gluschtige Option mehr. Es sei momentan 10 Grad kaelter als sonst zu dieser Jahreszeit, und Nathan freut sich schon, dass wir unsere Superschlafsaecke nicht umsonst gekauft haben…

Locarno Beach

Vancouver ist sehr international, das Essen ist dementsprechend vielfaeltig (Vegiburgers, Piroggen, chinesisch,…) und die Leute sind fast alle sehr hilfsbereit und freundlich. Die Stadt hat allerdings auch ihre Schattenseit: wir sehen sehr viele bettelnde Menschen und solche, die im Abfall herum wuehlen. Leere Flaschen werden meistens sogleich von jemandem geholt, der sich davon einen kleinen Verdienst verspricht. Und am Samstag mussten wir ansehen, wie die Ambulanz einen jungen Mann zusammenlas, der wohl schon tot war. Nicht eben ein angenehmer Ferienauftakt…

Trotz den nicht nur schoenen Seiten der Stadt, haben wir noch einen Tag angehaengt. Die Jugi ist voll heute, was unser Glueck ist: Gleich gegenueber auf der anderen Strassenseite konnten wir fuer wenig mehr eine ganze Suite mit Superkingsizebett mieten. Schade, dass dies nur fuer eineNacht ist! Nach Shoppingtour am Samstag (Nathan hat sich -endlich- ein GPS gekauft, ich mir ein Handy, meines blieb mitsamt SIM-Card daheim) und Velotour gestern, wollen wir uns heute ohne Velo noch gemuetlich das Zentrum ansehen. Morgen geht’s dann weiter mit dem Bus nach Kamloops, von wo aus die Velotour richtung Norden starten wird.

So, das waer’s fuer den Moment, Internet ist hier sauteuer und die Zeit ist um. Mehr Fotos auf Flickr. Bis zum naechsten Mal!

9. Februar 2008

Itze längts!

Itze längts“, so der Name der Petition eines bürgerlichen Komitees in Bern: 22′800 Unterschriften für mehr Sicherheit und gegen Demonstrationen, Bettelei, Dreck und die offene Drogenszene. Im Visier hat das Komitee Drogenabhängige, randalierende Jugendliche und AusländerInnen und mögliche Kombinationen dieser Gruppen.

Dem kann ich nur entgegenhalten: Mir längts itze de ou. Mir reicht die Bettelei von Cablecom-Angestellten im Anzug, lieber gebe ich einem weniger schick angezogenen Bettler einen Fünfliber, als dass ich mir nur eine halbe Minute Cablecomgesülz anhören muss. Während Demonstrationen muss man sich bekanntlich mehr vor der Polizei als vor den Teilnehmenden fürchten. Der schädlichste Schmutz, sowohl für unsere Gesundheit als auch für die Umwelt, wird durch den motorisierten Privatverkehr verursacht.

Und zur Sicherheit: Ich habe wesentlich weniger Angst davor, nachts alleine zu Fuss die Stadt zu durchqueren als in der Stosszeit mit dem Velo. Während ich mich von den oben erwähnten Gruppen fast nie bedroht fühle, sehe ich mich fast täglich konfrontiert mit rücksichtslosen AutofahrerInnen, die die grundlegendsten Vortritts- und sonstigen Verkehrsregeln vergessen, wenn das Gegenüber auf dem Velo sitzt. In vielen Situationen kommt mir der Angstschweiss, und ich werde mir meiner Verletzlichkeit gegenüber dieser blechbewaffneten Mehrheit bewusst.

Ich kenne zwar die Statistiken nicht, aber ich bin ziemlich sicher, dass auch sie mir Recht geben würden in der Annahme, dass der Strassenverkehr wesentlich mehr Opfer fordert als drogenabhängige jugendliche ausländische Randalierer. Diese Gefahr wird zur Kenntnis genommen und akzeptiert und hat nicht den leisesten Aufschrei zur Folge. Ich nehme also an, dass nicht tatsächliche Verhältnisse zu oben stehenden Forderungen führen, sondern allein politische und wirtschaftliche Interessen: Der grosse Teil der wählenden und einkaufenden Bevölkerung ist nicht drogenabhängig, nimmt für sich aber die grenzenlose Mobilität mit dem Auto als persönliches unantastbares Recht in Anspruch.

Wie lange wollen wir uns diese von Eigeninteressen verdrehte Optik noch aufdrängen lassen? Wann wird es endlich nicht mehr als persönliche Freiheit jedes Einzelnen betrachtet, andere zu gefährden?